Donnerstag, Juni 22, 2017

Summer in New York City - 1911



Vielleicht hat der eine oder andere den Film auch schon entdeckt, seit kurzer Zeit ist ein "neuer" Film aus dem historischen New York City verfügbar, der den Betrachter 106 Jahre zurück in die Vergangenheit reisen lässt. Mit recht gewöhnlichen Ansichten erfährt man dank der bewegten Bilder ein wenig mehr darüber, wie es damals im Sommer 1911 in New York so war. 

Solche kleinen Fenster mit Blick in die Vergangenheit sind einfach unbezahlbar. Viel Spaß beim Anschauen!!! Und danke an "The Old New York Page" für den wertvollen Tipp! And THANK YOU to the one, who shared the clip in the WWW!






Samstag, Juni 03, 2017

Broadway near 53rd or 54th Street (1869)



Auch diese faszinierende und bald 150 Jahre alte Aufnahme habe ich in einer Facebook-Gruppe entdeckt (The Old New York Page), allerdings stammt sie im Original aus der Sammlung des Museums der Stadt New York. 



Leider kann man / kann ich dort im Augenblick nicht in die Bilder hineinzoomen, entweder man hat da was umgestellt oder da wird gerade wieder im Hintergrund die Software verändert. Es wäre sicherlich interessant gewesen, in dieser Aufnahme noch ein wenig auf die Suche nach Details zu gehen. Schade!

google maps


Wir befinden uns am Broadway auf dem Abschnitt oberhalb des heutigen Times Squares, damals Longacre Square, und unterhalb des Central Parks. Es ist weder die Straßenseite genau bestimmt noch der Standort der Kreuzung, die sich am äußeren linken Bildrand andeutet, vermutlich ist es entweder die 53rd Street oder die 54th Street. 

In einer Hinsicht beißt die Maus aber keinen Faden ab: aus dem eher kleinstädtischen Erscheinungsbild, das 1869 am Broadway herrschte, ist Großstadt pur geworden. Hier die Kreuzung Broadway / 53rd Street vom Süden her Richtung Norden aufgenommen:



Nein, das helle Gebäude in der Mitte links ist nicht identisch mit dem auf dem historischen Foto links. Schön wär's....  Und hier haben wir die Kreuzung Broadway / 54th Street vom Norden her Richtung Süden aufgenommen:




Ich habe noch eine Reihe von historischen Aufnahmen gewälzt, aber keine Abbildungen gefunden, die sich belastbar an die Photographie von 1869 anknüpfen lassen.



Auch diese hier nicht, die aber vielleicht als einzige von einem jenseits des rechten Bildrands gelegen und 30 Jahre später aufgenommen die gleiche Straßenfront zeigt. Vielleicht aber auch nicht und der Wunsch ist nur Vater des Gedanken:

George P. Hall, Broadway and 54th Street, ca. 1900, from the collection of the museum of the city of of New York



Lunch Wagon No. 8



Dieses Foto ist mir gestern aufgefallen, als ich mich auf meinen schlauen Telefon durch die Neueinträge auf Facebook geschubbert habe. Das ist einen kleinen Beitrag wert.

STREET FOOD - das liest man ja in der letzten Zeit auch öfter und bis vor kurzem habe ich diesem Trend (?), Hype (?) recht kritisch gegenüber gestanden. Allerdings war ich vor zwei Wochen in Brighton in Großbritannien auf einem Musikfestival und dort waren ein paar Street Food Trucks, die mich mit dem, was da so über die Theke gereicht wurde, eines besseren belehrt haben. Echt gefährlicher Stoff. Unter anderem mit die besten Burger, die ich bisher essen durfte. Zum Niederknien!

Und weil ich den ganzen Gaumenschmeichlern immer noch ein wenig hinterhertrauere, kam dieses Foto genau richtig, zeigt es doch offensichtlich einen historischen Street Food Truck. Oder - um mal bei der zeitgenössischen Bezeichnung zu bleiben: einen Lunch Wagon. 

Leider kann man nicht erkennen, mit welchen Delikatessen hier gehandelt wird und wann das Foto aufgenommen wurde. Aus dem Kontext heraus war aber klar, dass es sich nicht um ein vollständiges Foto, sondern um einen Bildausschnitt aus einem größeren Foto handelt, eben das, was ich auch gerne schon mal in den hq-Aufnahmen bei Shorpy mache, auf Entdeckungsreise nach nebensächlichen Bilddetails gehen. Darauf deutet auch die Bildbeschreibung "a closer look at the truck" hin.


Eine Kommentatorin hat zu dem Beitrag noch ein weiteres interessantes Foto veröffentlicht, dass dazu passend einen Lunch Waggon No. 9 zeigt. Es gab von den Teilen also offenbar eine ganze Armada, die alle relativ baugleich daherkommen:



Jetzt ist es so, dass die Macher der Facebook-Seite "Postcards from old New York" in der Regel, keine Einzelfotos, sondern immer zusammenhängende Serien mehrerer Bilder zu einem Thema veröffentlichen. Und die Aufnahme vom "Lunch Wagon No. 8" erschien im Kontext mit einer Serie von historischen Bildern, die rund um den Union Square entstanden sind. Und dort vermute ich auch den Standort des bzw. der Lunch Wagons. 

Ich bin also bei den zuvor veröffentlichten Bildern mal suchen gegangen und fündig geworden. Hier sehen wir eine Aufnahme des Union Squares, die ca. 1905 entstanden sein soll. Wir schauen also auf einen Verkäufer von Straßenessen vor mehr als 110 Jahren.



Der Standort des Photographen ist vermutlich an der Südostecke des Union Squares, der Blick die Park Avenue hinauf. 

google maps


Auch auf dieser Aufnahme, die von einem etwas höher gelegenen Standort und ein paar Jahre zuvor ca. 1900 entstanden sein soll, sieht man den Lunch Waggon an bekannter Stelle:




Ich bin selbst nochmal auf die Suche nach Aufnahmen vom Union Square gegangen. Hier haben wir ein Photo bei Shorpy, etwa 1910 entstanden:



Und ganz rechts unten sieht man den Lunch Wagon im gewohnten Erscheinungsbild, auch wenn er zu großen Teilen vom Grünzeug verdeckt ist.



Und auch auf dieser Postkarte von ca. 1910 ist der Lunch Wagon verewigt. 

Union Square, ca. 1910, from the collection of the museum of the city of New York


Leider habe ich es nicht geschafft, eine Übersicht über die angebotenen Speisen vom Lunch Wagon zu erhalten. Als Ersatz gibt es zum Abschluss zwei andere Food Trucks, die aber in etwa aus der gleichen Zeit stammen könnten und die zumindest eine Vorstellung von dem ermöglichen, was damals am Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert so an Street Food (und Street Drinks) verkauft wurde:







Sonntag, Mai 28, 2017

Dieses Wochenende bei NYHG



An diesem Wochenende wurden bei NYHG 
zwei Beiträge veröffentlicht: 


Statue of Diana

North East Corner of Fifth Avenue and 56th Street


North East Corner of Fifth Avenue and 56th Street



Steigen wir direkt mal tief ein in die Vergangenheit: wir befinden uns im Jahr 1876, der Photograph steht hier auf der Ostseite der Fifth Avenue unterhalb der 55th Street und blickt in nördliche Richtung. Links wird gerade die Fifth Avenue Presbyterian Church gebaut, aber um die geht es hier nicht. Interessant ist das Grundstück auf der Nordostseite der Kreuzung Fifth Avenue / 56th Street:



Leider ist das Grundstück, auf das wir schauen, auf dem Photo verdeckt, es befindet sich zwischen dem Haus rechts im Vordergrund und dem gelb markierten Haus an der 57th Street im Hintergrund. Man kann noch nicht einmal nachvollziehen, ob es schon bebaut ist. 






Leider ist das Grundstück an der Nordostecke 56th Street / 5th Avenue in der Vergangenheit eher selten photographiert worden, wohl, weil es relativ unspektakulär mit für Fifth Avenue-Verhältnisse "normalen" Wohnhäusern bebaut war. 

Zum Glück hat sich 1905 mal jemand erbarmt und zwei Photos von diesem Teil der Straße aufgenommen. Der Blick fällt von Norden her die Fifth Avenue nach Süden hinter, Osten ist hier auf der linken Seite: 



Am linken Bildrand sieht man die Bebauung der gesuchten Straßenecke, allerdings ist der Standpunkt de Photographen, der sicherlich eher die Gebäude im Hintergrund einfangen wollte, noch zu ungünstig. 



Dieser Standort auf dem westlichen Bürgersteig der Fifth Avenue passt wesentlich besser, das Haus mit den zwei Giebeln am linken Bildrand steht auf besagter Nordostecke der Kreuzung.



Wie immer bei Shorpy handelt es sich auch hier um eine hochauflösende Wiedergabe, in der man glatt verloren gehen könnte. Ich will nur zwei Details herausarbeiten, einmal die Ornamente im Dachbereich und einmal das frühe Automobil im Vordergrund mit dem Hauseingang im Hintergrund. 





Auch auf der Karte aus dem Stadtatlas von Bromley vom Jahr 1916 ist das Haus an der Ecke weiterhin namenlos:




Etwa zu Beginn der 1920er hat Arthur Vitols die Fifth Avenue abschnittsweise photographiert. Hier sehen wir die Ostseite zwischen 57th (links) und 56th Street (rechts):

Byron Company, East Side of 5th Ave from 57th to 56th Street, ca. 1920, from the collection of the museum of the city of New York 


Leider mag die Webseite des MCNY heute keinen Zoom ins Bild zulassen, weshalb ich die drei Häuser auf dem südlichen Teil des Straßenblocks nicht noch näher heranholen kann. 



Eins ist aber nicht zu übersehen: seit Anfang des 20. Jahrhunderts sind irgendwann die Erdgeschosse der Häuser in Ladenlokale umgewidmet worden. 

Wir machen einen Sprung in den Mai des Jahres 1928 und schauen jetzt wieder vom Süden auf die Straßenecke auf der rechten Bildseite:



In dieses Bild darf man freundlicherweise auch mal wieder hineinkriechen:



Allerdings ist das quasi ein Abschiedsfoto gewesen, denn wenig später wurden die drei Häuser im Südteil des Blocks abgerissen, wie man auf dieser Aufnahme vom August 1928 erkennen kann:



Innerhalb eines Jahres wurde hier ein Neubau errichtet und 1929 photographiert: das Gebäude von Stewart and Company:

Wurts Bros, 56th Street and Fifth Avenue, Stewart and Company, 1929, from the collection of the museum of the city of New York


Hier noch eine Detailaufnahme vom Eingangsbereich:

Stewart and Company, 1929, from the collection of the museum of the city of New York


Später im den 1930ern wurde das Gebäude von Bonwit Teller and Company übernommen, die seit 1895 mit ihrem Warenhaus in Manhattan immer wieder von Ort zu Ort weiterwechselten.

1938 erhielt das Gebäude von der Ostseite her einen Anbau an der 56th Street:



Wurts Bros, 7 East 56th Street, 1938, from the collection of the museum of the city of New York


Die Schaufenster an der Straßenecke, 1940 photographiert:


Wurts Bros, Bonwit Teller, Display Windows, 1940, from the collection of the museum of the city of New York


Und das nun unter der Flagge von Bonwit Teller laufende Warenhaus photographiert 1945:

Bonwit Teller, 1945, from the collection of the museum of the city of New York


Der Eingang von Bonwit Teller in einigen Detailaufnahmen:







Bonwit Teller, from the collection of the museum of the city of New York


Und nun betreten wir das Bonwit Teller und schauen uns das Innere dieses New Yorker Kaufhauses, das wohl eher für Kunden mit gutgefüllten Geldbörsen gedacht war, während der 1930er an:

























Im Dezember 1936 wurde kein geringerer als Salvador Dali engagiert, um die Schaufensterdekoration bei Bonwit Teller zu gestalten. Das Ergebnis war wie nicht anders zu erwarten recht surreal:







Ob das auch einen posiven Effekt auf die Kauflust der New Yorker gehabt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

In welcher Liga Bonwit Teller gespielt hat, verrät dieses Photo, dass den neuen direkten Nachbarn nördlich mit der Hausnummer 727 Fifth Avenue zeigt: Das New Yorker Juweliergeschäft Tiffany zog 1940 dorthin um:

 727 Fifth Avenue, Tiffany, 1941, from the collection of the museum of the city of New York


Zum Abschluss noch das Ende vom Lied. 1979 wurden das Gebäude von einem gewissen Donald Trump erworben und bald darauf abgerissen mit der Absicht, das erste Super-Luxus-Hochhaus der Stadt zu errichten. Dort entstand von 1979 bis 1983 der Trump Tower, 58 Stockwerke hoch und bis heute Wohnsitz seines inzwischen bekannteren Erbauers. Den Zweitwohnsitz in Washington D.C. während der Arbeitswoche übersehen wir mal großzügig, der ist ja auch im Vergleich eher schlicht und mickrig und deshalb nicht der Rede wert.









Ich kann versichern, beim Trump Tower handelt es sich nicht um Fake News, ich habe das Teil schon mit meinen eigenen Augen gesehen und 1992 auch einen kurzen Aufenthalt im Inneren gewagt. 



Wann es wieder an der Zeit sein wird, am Nordost-Eckgrundstück 56th Street / Fifth Avenue ein neues Gebäude zu errichten, kann heute noch keiner sagen. Lassen wir uns überraschen. Der derzeitige Platzhalter steht ja "erst" seit 34 Jahren, seinem Vorgänger waren immerhin 50 Jahre vergönnt. Vielleicht hat der letzte Bauherr ja noch eine klasse Idee, zum Beispiel, dort ein Super-Duper-Mega-Luxus-Highrise zu bauen, das fehlt ja schließlich noch in New York. Oder etwa nicht?